Der Sachsenstolz wird 90 Jahre alt
Im Jahr 2012 gilt es ein besonderes Ereignis zu würdigen,
die Lok 19 017 – der legendäre „Sachsenstolz“ – aus dem Bestand des Verkehrsmuseum Dresden (VMD), feiert 90. Geburtstag.
Die Lok wurde vor 90 Jahren (am 17.09.1922) bei der Sächsischen Maschinen Fabrik (SMF) des „Sächsischen Lokomotiv Königs – Richard Hartmann (1809-1878)“ in Chemnitz gebaut und ausgeliefert. Die Produkte waren Textilmaschinen und vor allem Lokomotiven.
1917 erhielt die Sächsische Maschinenfabrik den Auftrag zum Bau einer 1’D1’h4v- Lokomotive, die gleichermaßen für den Betrieb im Flachland, wie auch auf Steigungsstrecken geeignet sein sollte. Im März 1918 erhielt die Sächsische Staatsbahn eine vierfach gekuppelte Vierzylinder- Schnellzuglokomotive; die erste Maschine der neuen Gattung XX HV, mit einem Kuppelraddurchmesser von 1905 mm. Die Präsentation der damals größten, europäischen Schnellzuglok erregte nicht nur in Deutschland Aufsehen. Bei der Umzeichnung im neuen DRG-Nummernschema erhielten die Maschinen die neue Baureihenbezeichnung 19.0 , wobei jedoch die Nummerierung anhand der Fabrikschilder vorgenommen wurde.

Die erste Maschine erhielt aus Prestigegründen die Fabriknummer 4000. Da sie eigentlich aber erst die 3976 te Gebaute Lok war, wurde sie später in 19 005 umgezeichnet. Bei Probefahrten auf der Strecke Dresden-Hof konnte die Maschine die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen. Bei Probefahrten auf einer flachen Strecke zwischen Dresden und Berlin, zeigte sich jedoch ein übermäßiger Kohleverbrauch. Die DRG hatte allerdings schon weitere acht Loks bestellt, die
dann zu den Bw'en Stuttgart-Rosenheim und Frankfurt (a.M.)1 kamen. Dort liefen sie im Plan der P 10, die ihnen auf den steilen Umlandstrecken jedoch haushoch überlegen waren. So wurden die 19er 1925 nach Reichenbach und Dresden umbeheimatet.
Im oberen Geschwindigkeitsbereich traten Leistungseinschränkungen auf, da die Dampfmaschine die Kesselleistung wegen zu klein dimensionierter Bauteile nicht verarbeiten konnte. Trotz mehrerer Messfahrten der LVA Grunewald wurden vorhandene Konstruktionsfehler jedoch nicht beseitigt; die Entscheidung im Lokomotivbau war zudem bereits zugunsten anderer Lokbauarten gefallen.
Insgesamt waren 23 Maschinen von Dresden und Reichenbach aus im Einsatz, vorwiegend auf den Strecken nach Nürnberg und Bayreuth. Nach dem Krieg wurden im RAW Zwickau einige der kriegsbeschädigten Maschinen wieder aufgearbeitet; drei Maschinen wurden ausgemustert; die 19 015, 017 und 022 wurden der Versuchsanstalt Halle als Bremsloks zugeteilt. Mit fortschreitender Steigerung der Leistungsfähigkeit neuer Fahrzeuge wurde es notwendig, auch die drei Bremsloks den neuen Anforderungen anzupassen. So erhielten die Loks neue Kessel, die dem Kessel der Baureihen 03, 39 und 41 entsprach. Außerdem wurden Änderungen an Steuerung und Zylindergruppen vorgenommen. Erste umgebaute Maschine war die 19 015, die im Februar 1964 das RAW Zwickau verließ.
Die Maschinen hatte man auch mit anderen Tendern gekuppelt; die 19 015 erhielt das Einzelstück der in der DDR verbliebenen H 45 024 (siehe Baureihe 45), einen 2’3 T 38 Tender. Die anderen Loks besaßen einen 2’2’ T 34-Tender. Im Versuchs- sowie im Planbetrieb zeigte sich, dass der Umbau ein voller Erfolg war, die Loks waren ihren „normalen“ Kollegen der BR 19 haushoch überlegen. Im Nummernplan der DR ab 1970 erhielten die Loks, die den Nicknamen „Sachsenstolz“ trugen, die neue Baureihenbezeichnung 04 (19 015 = 04 0015-0).
Nachdem die Loks bis 1976 alle ausgemustert worden waren, versetzte man im RAW Meiningen die ehemalige 19 017 im Jahre 1973 wieder in den DRG- Originalzustand zurück. Die museumsgerechte aufgearbeitete Lok gehört zum Bestand des Verkehrsmuseum Dresden und steht im Eisenbahnmuseum / Depot des VMD im ehemaligen Bahnbetriebswerk Dresden-Altstadt, wo wir sie heute wieder, auch Dank der liebevollen Pflege und großem Engagement vieler fleißiger Helfer annähernd im Originalzustand sehen können, damit wir eines Tages unseren KINDES-KINDERN sagen und zeigen können: „Das war auch Eisenbahn“!
Und so wünschen wir der Lok 19 017 – dem „Sachsenstolz“ – allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Eisen unterm Rad!
Unter Verwendung von Archivmaterial sowie Selbsterlebtem
aufgeschrieben und ergänzt von Alfred Hobl und Jörg Baumgärtel
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